Gefahrgut und gefährliche Abfälle

Kennzeichnung der Versandstücke

Gemäß 5.2.1.1 ADR ist die Größe der Kennzeichnung mit der UN Nummer auf Versandstücken neu geregelt. Es gibt nach Abschnitt 1.6.1.25 ADR  zwangsläufig  entsprechende Übergangsvorschriften bis 30.06.2018. Die UN Nummer und die Buchstaben "UN" müssen eine Zeichenhöhe von 12 mm haben. Ausgenommen Versandstücke bis 30 l/30 kg. Auch diese Schriftgöße ist aus einiger Entfernung nicht zu erkennen. Erschwerend kommt hinzu, wenn die UN Nummer zwischen einer Flut von Produktinformationen eingefügt ist. Da sei die Frage erlaubt, ob die Kennzeichnung den Vorschriften des Abschnitts 5.2.1.2 ADR genügt. Hiernach muss sie gut sichtbar sein, unabhängig von der Größe. Als Beispiel ist im unteren Bild eine UN Nummer auf einem IBC aufgeführt. Die Kennzeichnung hat eine Größe von sagenhaften 1,5 mm und verschwindet zudem noch zwischen anderen aufgedruckten Hinweisen.

 

 

 

Transport von Altbatterien

UN 2794 gemäß Verpackungsanweisung P801 und P801a in Verbindung mit der Sondervorschrift 598 im Kapitel 3.3 ADR  

Grundsätzlich ist der Transport von Altbatterien unter den Voraussetzungen der o.a. Vorschriften zulässig, wobei die Vorschriften nicht klar definiert sind.

Werden die Batterien nach P801 in starren Außenverpackungen, Verschlägen aus Holz und auf Paletten befördert, so sind neben den genannten zusätzlichen Vorschriften auch die allgemeinen Verpackungsvorschriften nach 4.1.1 ADR, ausgenommen 4.1.1.3 und 4.1.3 ADR, zu erfüllen. Im Abschnitt 4.1.1 sind grundlegende Sicherheitsvorschriften für die Verpackungen genannt. 

Beim Transport nach P801a ADR finden die Vorschriften nach Abschnitt 4.1.1 ADR keine Beachtung. Es reicht völlig aus, die mit Säure gefüllten Akkumulatoren in so genannte Akkukästen zu verstauen. Diese Verpackung wird jedoch im ADR nicht definiert. Sie müssen lediglich  aus starrem Kuststoff oder rostfreiem Stahl bestehen. Diese Materialien müssen gegen die Säure beständig sein. Es dürfen keine Reste anhaften und zudem gibt es in der P 801a Vorschriften für die Befüllung und Verstauung.

In den Akkukästen dürfen sich außerdem keine Batterien mit Inhaltsstoffen oder sonstige gefährliche Güter befinden, die gefährlich miteinander reagieren.

Lt. RSEB 4-4.1 kann diese Gefahr ausgeschlossen werden, wenn die Pole der Batterien gegen Kurzschluss gesichert sind und wenn eine Beschädigung und dadurch bedingte Undichtigkeit der Gehäuse während der Beförderung nicht anzunehmen ist.

In der Praxis sind diese Vorschriften nur schwer zu erfüllen. Die Verpackungsanweisung sollte das Verpacken und den Transport von Abfallbatterien eigentlich erleichtern, ohne die Transportsicherheit aus den Augen zu verlieren.

Tatsächlich dürfen sich in den Kästen keine freien Flüssigkeiten befinden. Der Transport von entsprechenden Flüssigkeiten (z.B. der UN 2796) in Akkukästen, auch wenn sie als IBC nach 11A für feste Stoffe codiert sind, ist nicht zulässig. Beschädigte Batteriegehäuse, die Schwefelsäure enthalten, sind somit vom Transport ausgeschlossen. Außerdem müssen vor Transportbeginn die Pole abgeklebt werden.

Das ist für die Branche nicht praktikabel. 

 

Gängiger Akkukasten für den Transport von Altbatterien.

Akkukasten mit beschädigten Batterien und Austritt von Schwefelsäure

 

 


 

Abschnitt 4.1.1.9 ADR

 

"Vor der Befüllung und der Aufgabe zur Beförderung muss jede Verpackung, .........., überprüft werden, um sicherzustellen, dass sie frei von Korrosion, Verunreinigungen oder anderen Schäden ist,....... jede Verpackung, die Anzeichen verminderter Widerstandfähigkeit gegenüber der zugelassenen Bauart aufweist, darf nicht mehr verwendet werden oder sie muss so rekonditioniert werden, dass sie den Bauartprüfungen standhalten kann."

Konsequenz: Verpackungen, die eine verminderte Widerstandsfähigkeit gegenüber ihrer Bauart haben, dürfen nicht mehr verwendet werden. Dies bedeutet, dass bei einer Kontrolle die Weiterfahrt untersagt wird und  die beanstandeten Behältnisse in Bergungsverpackungen gesetzt werden müssen.

Nur wo fängt ein Schaden an, der zu einer verminderten Widerstandsfähigkeit führt? Flugrost, kleine flächige Beulen, Kratzer, verbogenes Rahmengestell beim Kombi-IBC? Hierzu gibt es bis dato keine rechtsverbindliche Aussage.

 

 

 Flugrost auf den Fassdeckeln. Ist dass bereits ein Anzeichen verminderter Widerstandsfähigkeit? Eher nicht!

Scharfkantiger Knick im Fassmantel direkt unter dem Spannring. Eine Beschädigung im Sinne des 4.1.1.9 ADR?

 


Tankvorschriften.....Abstand zwischen Stoßstange und Tank unterschiedlich interpretiert

Abschnitt 9.7.6 ADR

Der Abstand zwischen Rückwand des Tanks, inkl. der Ausrüstungsteile und Bedienelemente und der Rückseite der Stoßstange muss mindestens 100 mm betragen.

Eigentlich zweifelsfrei definiert....sollte man meinen. Was man unter der Rückseite des Tanks versteht, ist eindeutig. Allerdings gibt es bei der Rückseite der Stoßstange selbst bei den Experten und Institutionen innerhalb Deutschlands unterschiedliche Ansichten. Die Einen interpretieren den Abstand inklusive Stoßstange, die Anderen sehen den Abstand als Polster zwischen Rückwand und Stoßstange. Die zuständigen Behörden haben in den Baumusterzulassungen die Breite des Anfahrschutzes als Abstand mitgemessen.  So wäre es theoretisch möglich, dass die Stoßstange bei einer Breite von >10 cm direkt an der Tankwand anliegt.  Dies kann jedoch nicht im Sinne der Vorschrift sein. Der Anfahrschutz würde sich beim kleinsten Aufprall in den Tankkörper bohren. Zweck der Stoßstange sollte es jedoch sein, die dahinter liegenden Teile zu schützen.

 

 

Baumusterzulassung für den tank. Abstand zum Tankkörper 100 mm inklusive Stoßstange


 

Unstimmigkeiten und redaktionelle Fehler im ADR Recht

Immer wieder findet man im ADR- Recht Textpassagen, Definitionen und Formulierungen, die Rechtslücken aufweisen und die an der Beförderung Beteiligten verunsichern und oftmals vor unlösbare Aufgaben stellen. Hierzu einige Beispiele:

 


7.5.11  CV 24

Vor der Beladung sind die Fahrzeuge Wagen und Container gründlich zu reinigen und insbesondere von allen entzündbaren Resten (Stroh, Heu, Papier usw.) zu säubern.

Es ist untersagt, leicht entzündbare Werkstoffe für die Verstauung der Versandstücke zu verwenden

Warum differenziert man hier zwischen entzündbaren und leicht entzündbaren Werkstoffen. Die Ladefläche ist von entzündbaren Resten zu säubern. Sind diese Reste aber auch leicht entzündbar? Wann ist ein Werkstoff überhaubt leicht entzündbar? Dies ist nirgendwo definiert. Bei Stroh und Heu kann man das vielleicht noch nachvollziehen, aber wie sieht es bei Pappe oder Holz aus? Sehr verwirrend diese Sondervorschrift und für die Verantwortlichen in der Praxis kaum umzusetzen

 

 

Sondervorschrift 650

Hier ist von "Verpackungsresten" die Rede. Was sind Verpackungsreste? Fallen hierunter auch gefüllte Verpackungen definiert als Gefahrgutreste, z.B. überlagerte Ware? Oder sind ausschließlich leere, ungereinigte Verpackungen mit geringen Restinhalten gemeint. Diese könnte man dann aber völlig unproblematisch unter der UN 3175, feste Stoffe, die entzündbare flüssige Stoffe enthalten, befördern. Wozu also dann noch eine Extravorschrift für die UN 1263?

 

7.5.1

Eine Beladung darf nicht erfolgen, wenn eine Sichtprüfung des Fahrzeugs........zeigt, dass das Fahrzeug........den Rechtsvorschriften nicht genügt. Hier ist ausschließlich von einer Sichtprüfung die Rede, nicht von einer Hörprüfung. Gelten die Vorschriften ebenfalls für ein Fahrzeug, dessen Bremsanlage deutlich hörbar einen erheblichen Druckverlust aufweist?

 

 

P 801a

Hier ist bei der Beförderung von Batterien, nass, gefüllt mit Säure, von Akkukästen die Rede. Was ist ein Akkukasten? Er taucht im Kapitel 6.1 nirgendwo auf. Es soll aus starrem Kunststoff oder aus Stahl sein. Zählt hierzu auch ein aufgeschnittener Kombi-IBC?

 

 

§ 21 Abs.1 Nr. 2 GGVSEB

Der Verlader darf kein Versandstück übergeben, dessen Verpackung beschädigt bzw. undicht ist, so dass Gefahrgut austritt oder austreten kann. Er darf jedoch ein Versandstück übergeben, welches zwar dicht und unbeschädigt ist, an dessen Außenseiten  jedoch erhebliche Gefahrgutreste haften!

 

Sondervorschrift VV 5

....die für die Beladung und Entladung bestimmten Öffnungen müssen luftdicht verschlossen werden können. Die gilt bei der Beförderung in loser Schüttung! Wie soll man in der Praxis die Öffnungen einer Kippermulde, welche mit einer Plane bedeckt ist, luftdicht verschließen können?

 


Grundsätzliche Probleme bei der Verwendung von Verpackungen

Problematik Weichverpackungen

 

Ventilbodensäcke

Säcke aus Papier 5M1, 5M2

Säcke ausKunststofffolie 5H4

Säcke aus Kunststoffgewebe 5H1, 5H2, 5H3

Säcke aus Textilgewebe 5L1, 5L2, 5L3

Die Öffnungen im oberen Bereich der Säcke werden zum größten Teil umgeknickt und über die gesamte Breite verklebt. Es bleibt jedoch eine Öffnung (Bezeichnung lt. Spezifikation: Ventil) an der Seite mit einer Ventilbreite von ca.130 mm. Hier werden die Säcke lediglich gefaltet, nach innen geknickt und weder geklebt noch vernäht. Bei jedem Druck von außen auf die Weichverpackungen erhöhte sich zwangsläufig der Innendruck und das Gefahrgut staubt aus den Öffnungen.

Das nach innen gefaltete Ventil wird durch den Druck nach außen gedrückt, so dass die Säcke in dem Bereich vollständig offen sind.Nach den Vorgaben des ADR aus Kapitel 6.1 ist  für die Bauartprüfung der Säcke lediglich eine Fallprüfung nach Abschnitt 6.1.5.3 ADR i.V.m. ISO- Norm 2248 vorgeschrieben. Prüfungen des zulässigen Stapeldrucks, des Innendrucks und der Dichtheit der Verpackungen sind nicht vorgesehen.

Ermittlungen beim Bundesamt für Materialforschung in Berlin ergaben, dass es sich bei dem eingeschlagenen Ventil um eine, auch in Deutschland zugelassene Verschlussart handelt.

Obwohl die Bauart der Verpackungen zugelassen waren und die Verpacker die Versandstücke nach den Angaben der Hersteller verschlossen, entsprachen die mit Gefahrgut gefüllten Säcke während des Transportes nicht den Rechtsvorschriften.

 


Problematik nicht geschlossener Ventile bei Druckgefäßen im Verbund

Flaschenbündel mit Druckgefäßen

Flaschenbündel mit 16 Druckgefäßen, die durch ein Rohrsystem miteinander verbunden waren. Die Sicherung erfolgte über ein Hauptventil. Sämtliche Ventile der einzelnen Flaschen waren göffnet. Durch einen Bruch an einer Verbindungsstelle innerhalb der Leitungen konnten große Mengen des leicht entzündbaren Acetylen ausströmen

 

4.1.6 Besondere Vorschriften für das Verpacken von Gütern der Klasse 2 und von Gütern anderer Klassen, die der Verpackungsanweisung P200 zugeordnet sind

 4.1.6.1 [Allgemeine Vorschriften]
Dieser Abschnitt enthält allgemeine Vorschriften für die Verwendung von Druckgefäßen und offenen Kryo-Behältern zur Beförderung von Gasen der Klasse 2 und Gütern anderer Klassen, die der Verpackungsanweisung P200 zugeordnet sind (z. B. UN 1051 Cyanwasserstoff, stabilisiert). Druckgefäße sind so herzustellen und zu verschließen, dass ein Austreten des Inhalts unter normalen Beförderungsbedingungen, einschließlich Vibration, Temperaturwechsel, Feuchtigkeits- oder Druckänderung (z. B. hervorgerufen durch Höhenunterschiede), verhindert wird.

4.1.6.5 [Kontrolle vor Befüllen]

Vor dem Befüllen muss der Verpacker eine Kontrolle des Druckgefäßes oder des offenen Kryo-Behälters durchführen und sicherstellen, dass das Druckgefäß oder der offene Kryo-Behälter für den zu befördernden Stoff zugelassen ist und die Vorschriften erfüllt sind. Nach dem Befüllen müssen die Verschlussventile geschlossen werden und während der Beförderung verschlossen bleiben. Der Absender muss überprüfen, dass die Verschlüsse und die Ausrüstung nicht undicht sind.

Bem.Verschlussventile einzelner Flaschen in Bündeln dürfen während der Beförderung geöffnet werden, es sei denn, der beförderte Stoff unterliegt der Sondervorschrift für die Verpackung k oder q in der Verpackungsanweisung P200.

 

 

Mittig neben dem Ventil ist das Gefahrgut ausgetreten. Die Stelle ist durch die ausgetretene Feuchtigkeit etwas dunkler.

 


Mangelhafte Handhabung und Verstauung

Weichverpackungen werden entgegen den Vorschriften aus dem Abschnitt 7.5.7 ADR häufig mit Spanngurten überlegt. Die kraftschlüssige Sicherung soll so im Niederzurrverfahren  erfolgen. Tatsächlich kann kaum Vorspannung erreicht werden, da die Versandstücke unter den Gurten nachgeben. Beim Versuch ausreichende Vorspannkräfte einzubringen, kann zu Beschädigungen der Verpackungen und zum Austritt des Gefahrgutes kommen.

 

Das Niederzurrverfahren bei flexiblen IBC ist unzulässig, da diese beschädigt werden! Es schadet mehr als es nützt!

Innenbehälter eines Kombi- IBC hatte sich unter dem Spanngurt bereits verformt